Oakland University – Vorlesungen und Campusleben

Geschafft! Alle Vorlesungen meines Auslandssemesters sind vorbei und seit dieser Woche habe ich auch die etwas stressige Zeit der Final Exams hinter mir. Daher wäre es an der Zeit auch mal etwas über das zu schreiben, wofür ich ja eigentlich hier bin – die Vorlesungen und das Campusleben.

Im Großen und Ganzen unterscheidet sich das Studieren in den USA nicht besonders vom Studieren an einer deutschen Universität, nichtsdestotrotz sind mir in den letzten Monaten einige kleinere und größere Unterschiede zu dem, was ich bisher aus Oldenburg kenne, aufgefallen.

Die größten Unterschiede sind vermutlich die Sprache (wer hätte das gedacht) und die Gebühren – über Letztere habe ich schon einmal etwas geschrieben. Sprachlich hatte ich persönlich zum Glück keine allzu großen Schwierigkeiten. Schon im Wirtschaftsinformatik-Bachelor hatte ich einzelne Vorlesungen auf Englisch gewählt und jetzt im Master kam dann auch das Schrieben von englischen Papers dazu. Ich wurde hier also nicht gleich ins kalte Wasser geschmissen. Sehr froh war ich auch, dass man in Michigan eine sehr verständliche Form des amerikanischen Englischs spricht. Natürlich unterscheidet es sich etwas von dem, was wir in der Schule gelernt haben (die Queen würde sich wohl anders ausdrücken), aber mir wurde gesagt, dass beispielsweise amerikanische Nachrichtensprecher auf den hiesigen Dialekt trainiert werden. Amerikanische Late Night Shows eignen sich daher hervorragend als Training 😀

In der Realität hatte ich es dann natürlich doch noch mit einer viel größeren Anzahl an Dialekten und vor allem Akzenten zu tun – dies ist dann auch ein weiterer bedeutender Unterschied zu Deutschland. Auch wenn ich den Eindruck habe, dass die Uni Oldenburg vergleichsweise international ausgerichtet ist, ist der Unterschied zur Oakland University doch beachtlich. Nicht nur im International Village spricht fast jede/r hier auf dem Campus ein etwas anderes Englisch – meine Professoren beispielsweise kamen aus Bangladesch, Japan und Indien. Dieses internationale Arbeiten fand ich sehr interessant und inspirierend, nur hin und wieder erschwert es die Kommunikation auch etwas.

Sehr positiv habe ich hier die Klassengröße in meinen Vorlesungen empfunden, die immer so um die 30 Personen lag. Zwar sind auch in Oldenburg (besonders im Masterstudium) die meisten spezialisierten Informatik-Vorlesungen sehr überschaubar, dennoch habe ich hier das Gefühl, dass die Professoren ein persönliches Interesse daran haben, ihre Studenten näher kennenzulernen. Bis zum Ende des Semesters hatte ich mit jedem meiner Professoren mal ein zwangloses Gespräch und ich glaube, dass mich jeder meiner Lehrer (er)kennt. Das Beeindruckendste war für mich in diesem Zusammenhang, als die Gruppe brasilianischer Maschinenbau-Studenten, mit denen ich zusammen im International Villa wohne, von ihrem Professor zum Thanksgiving-Essen zu sich nach Hause eingeladen wurde. Das kann ich mir in Deutschland dann doch nur schwer vorstellen.

Insgesamt gilt dieses enge Verhältnis zwischen Mitarbeitern und Studenten für das gesamte Campusleben und beispielsweise auch für das Wohnen auf dem Campus. Als ich in Oldenburg während den ersten 2 Jahren meines Studiums im Studentenwohnheim gewohnt habe, hatte ich von Anfang an das Gefühl, als Erwachsener behandelt zu werden. Das höfliche Sie war in der Kommunikation mit der Uni und dem Studentenwerk normal, wir haben uns um unseren eigenen Internetanschluss gekümmert, Regeln für die WG aufgestellt, gekocht, eigene Veranstaltungen organisiert usw.
Wer (insbesondere als Freshman) in ein Wohnheim auf dem Campus der Oakland University zieht, bekommt all diese Dinge vorgegeben. Von der Uni gibt es fast täglich mehr oder weniger verpflichtende Veranstaltungen – von Kennenlernspielen über Filmabende, Partys und persönliche Beratung.

Das möchte ich weder ausschließlich gut, noch ausschließlich schlecht beurteilen. Ich bin mir sicher, dass einige meiner Kommilitonen in Oldenburg von so einer engen Betreuung, kurz nach dem Von-Zu-Hause-Ausziehen, sehr profitiert hätten. Dass jemand von der Uni nachfragt, ob man Heimweh hat, ob man in den Vorlesungen mitkommt, es Probleme mit den Mitbewohnern gibt, … Gleichzeitig konnte ich es kaum glauben, dass es den Freshmen nicht erlaubt ist, ein Küchenmesser zum Schälen von Obst zu besitzen, dass Alkohol strengstens verboten ist und man gezwungen ist in der Mensa zu essen (diese Regeln galten zum Glück nicht für unser International Village).

Dadurch, dass wir in unserem Apartment eine eigene Küche und eine Art Wohnzimmer haben, hat sich unsere WG zuletzt ein bisschen zum Treffpunkt für viele Freunde und Kommilitonen entwickelt. Wir hatten häufiger Freunde zum Kochen eingeladen, die dann mit uns begeistert brasilianische und deutsche Gerichte ausprobiert haben. Ich glaube, dass man am besten beides hat – einen Ansprechpartner an der Uni, der sich auch um persönliche Probleme kümmert und die Freiheit zu kochen und mit einem Messer Zwiebeln zu schneiden – ich glaube, dass viele diese gefährliche Erfahrung bei uns zum ersten Mal in ihrem Leben gemacht haben 😀

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