Oakland University – Die Uni, der Campus, die Gebühren

Bei der Vielzahl an Vorlesungen und Freizeitaktivitäten fällt es mir im Moment wirklich schwer, mir Zeit für mein Blog zu nehmen. Beim Durchlesen der ersten Beiträge ist mir aber gerade auch noch einmal deutlich geworden, wie viel ich in den letzten Wochen und Monaten hier in den USA schon erlebt und gelernt habe. Insofern erfüllen diese Beiträge auch für mich einen beinahe therapeutischen Zweck und helfen mir dabei meine Eindrücke zu sammeln. Da ich mir schon am Tag meiner Ankunft vorgenommen habe, etwas über den wirklich beeindruckenden Campus der Oakland University zu schreiben, fange ich damit heute an.

Gemeinsam mit etwa 30 anderen Studierenden wohne ich am Rand des für Deutsche Verhältnisse wirklich riesigen Uni-Campus im International Village. Dieses ist Teil der Ann V. Nicholson Apartments, in denen insgesamt etwa 500 Studierende wohnen. Daneben gibt es um den Campus herum noch eine Reihe weiterer Studentenwohnheime, in denen sich meist mehrere Bewohner ein Zimmer teilen. In der Vandenberg Hall befindet sich auch die Dining Hall, eine Art Mensa, in der man fast rund um die Uhr essen kann. Qualitativ kommt das Essen jedoch meist nicht an die Mensa in Oldenburg heran und ist zudem auch recht teuer, weshalb ich ganz froh bin, beim Einzug keinen Meal Plan (eine Art Knebelvertrag fürs Mensa-Essen) abgeschlossen zu haben. Mit dem free food, das es fast jeden Tag irgendwo in der Uni gibt und der Küche in unserem Apartment sind wir deutlich besser dran, als die Bewohner der anderen Wohnheime auf dem Campus, die diesbezüglich quasi keine Wahl haben.

Die Gebäude der technischen und naturwissenschaftlichen Fakultäten befinden sich auf der anderen Seite des Campus, sodass man von unserem Apartment meistens rund 20 Minuten zu Fuß unterwegs ist, um zu den Vorlesungen zu kommen. Der Vorteil der Ann V. Nicholson Apartments ist hingegen, dass es (in die entgegengesetzte Richtung) auch nur 20-25 Minuten zu Fuß zu einem Supermarkt und einigen anderen kleineren Geschäften zum Einkaufen ist. Leider sind Fahrräder nicht besonders verbreitet und die Häuser verfügen auch über keinen Fahrradkeller oder -schuppen. Bisher bin ich aber auch zu Fuß, bzw. als Tims Beifahrer (z.B. zu Walmart oder Meijer) ganz gut klargekommen.

Der Campus ist sehr grün (bzw. jetzt im Herbst wirklich bunt) und weitläufig. Die Vegetation ist etwa vergleichbar mit Norddeutschland, und da die Gegend eher ländlich ist, begegnet man abends häufig Rehen und Hirschen. Darüber hinaus sieht man auch manchmal Glühwürmchen und sogar zahme Murmeltiere leben auf dem Campus, die man mit Apfelstücken füttern kann. Manche Gebäude auf dem Campus sind relativ neu – beispielsweise das erst vor wenigen Jahren eröffnete Engineering Center, sowie der 2014 fertiggestellte Glockenturm in der Mitte des Campus. Dieser spielt zu jeder vollen Stunde verschiedene Melodien, darunter Kinderlieder und die Melodie des Big Ben (was mich dann zu Beginn doch etwas irritiert hat).

Zwischen den älteren Uni-Gebäuden liegt ein kleiner künstlich angelegter See mit Fontänen und Hängematten drum herum, für die es inzwischen aber schon etwas zu kalt ist. Daneben bietet das Recreation Center Platz für alle möglichen Teamsportarten, eine Schwimmhalle und Fitnessgeräte, die man als Student kostenlos nutzen kann. Im Oakland Center, das zurzeit aufwendig renoviert und erweitert wird, befinden sich einige Fast-Food-Restaurants und eine studentische Bar (ohne Alkoholausschank) mit Spielekonsolen zur freien Benutzung.

Bemerkenswert finde ich den Fokus auf Sicherheit, der hier auf dem Campus gelegt wird und den ich so bisher nicht erlebt habe. Ich habe mich hier nie unsicher gefühlt, aber mit der Geschichte mehrerer Amokläufe, auch an Universitäten in den USA, verstehe ich die Sorgen, die damit verbunden sind. Hier auf dem Campus zeigt sich dieses Bewusstsein beispielsweise mit einer eignen Campus-Polizei (dem OU Police Department), sowie blauen Notrufsäulen, die im Abstand von 100 Metern überall zu sehen sind. Darüber hinaus gibt es auch ein SMS-basiertes Benachrichtigungssystem für besondere Vorkommnisse und während der Orientierungswoche wurde uns dieses plakative Video vorgespielt:

Wer sich den Campus der Oakland University von oben ansieht, dem fällt auf, dass den weit größten Teil des Geländes gar nicht die Fakultäts- und Verwaltungsgebäude ausmachen. Zum Uni-Campus zählen nämlich unter anderem auch ein Wald, ein Amphitheater und ein Golfplatz von beachtlicher Größe. In der Mitte von alldem befindet sich Meadow Brook Hall, eines der größten historischen Anwesen der USA (von der Größe eines Schlosses), das in den 20er-Jahren durch Matilda Dodge Wilson, der Witwe des Gründers der Automarke Dodge, erbaut wurde. Sie war nicht nur eine der reichsten Frauen ihrer Zeit, sondern auch sehr philanthropisch und politisch engagiert und stiftete ihr Land und Vermögen zur Gründung der Oakland University.

Ihr Anwesen ist heute ein Museum, sodass man die über 100 luxuriös ausgestatteten Räume und die danebenliegenden Gärten und Häuschen besichtigen kann. Die Uni hat dort auch schon mehrmals Partys veranstaltet und fast jedes Mal, wenn ich sonst dort vorbeikomme, findet gerade eine Hochzeit statt.

Mit den breiten Wegen, Beeten und großen Rasenflächen, die alle nachts künstlich bewässert werden, hat mich der Campus im Sommer eher an ein Ferienresort erinnert, als an eine Universität. Dafür ist er natürlich nicht so zentral oder nah an der Innenstadt gelegen wie die meisten Unis in Deutschland. Für meine amerikanischen Freunde sind jedoch der wohl größte Wermutstropfen für all dies die astronomischen Studiengebühren, die hier normalerweise fällig werden. Wären mir die Kosten nicht durch das Austauschprogramm der Uni Oldenburg mit OU erlassen, müsste ich hier alleine für das eine (!) Semester Studiengebühren in Höhe von über 10.000$ bezahlen – und dies beinhaltet nur meine Master-Kurse, hinzu kommen noch die vergleichsweise deutlich höheren Kosten fürs Wohnen sowie die Beiträge zur Krankenversicherung der Uni. Schließlich sei noch hinzugefügt, dass diese Bildungskosten im Vergleich zu vielen anderen Universitäten in den USA noch als tragbar gelten. Den Ärger meiner Kommilitonen über diese für mich unfassbar hohen Gebühren und ihre damit meist verbundenen finanziellen Schulden, kann ich also voll und ganz nachvollziehen.

In dieser Woche haben wir bereits unsere Midterm Exams geschrieben – also die Zwischenprüfungen zur Mitte des Semesters. Darüber und wie sich die Vorlesungen hier vom Studium in Deutschland unterscheiden, schreibe ich dann in meinem nächsten Beitrag.

P.S.: Mehr Fotos und Stories poste ich übrigens regelmäßig auf Instagram.

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