Oakland University – Die Anreise

Am Ende ging es dann doch ziemlich schnell – in nur einer Woche bin ich aus meiner WG ausgezogen, hatte eine letzte Modulprüfung, mich von Oldenburger Freunden, meiner Master-Projektgruppe, dem Fan12-Team und schließlich einigen Freunden in Hannover verabschiedet. Am Montag, dem 28.08.2017 stand dann meine bisher weiteste und längste Reise an – das Auslandssemester an der Oakland University in Michigan, USA.

Ab Hannover fuhr ich sehr früh mit dem Zug zum Flughafen nach Frankfurt, um dort einen Flieger nach Baltimore zu nehmen. Die Vorbereitungen dafür hatten einige Monate in Anspruch genommen, was vor allem den etwas langsamen Mühlen der amerikanischen Hochschulbürokratie geschuldet war. Darüber hinaus musste ich für mein J1-Visa auch zu einem Interviewtermin ins Berliner US-Konsulat fahren. Die Fragen, die ich in Vorbereitung darauf beantworten musste, waren tatsächlich so klischeehaft, wie man es schon das eine oder andere Mal gehört, aber nicht für möglich gehalten hat („Waren oder sind Sie Mitglied in einer terroristischen Vereinigung?“, „Planen Sie in den USA einen terroristischen Anschlag zu begehen?“, usw.).

Der achtstündige Flug hat so gut geklappt, wie ein achtstündiger Flug mit wenig Beinfreiheit klappen kann. Zwischenzeitlich hatten wir fantastische Ausblicke auf die kanadische Landschaft, sowie auf Städte wie Boston und New York City. Nur bei der Landung in Baltimore wurden wir etwas durchgeschüttelt.

Im Süden der USA (hauptsächlich in Texas und Louisiana) gibt es zurzeit, ausgelöst durch einen Hurrikan, eine heftige Flutkatastrophe. Auch wenn der Flughafen bei Washington davon nicht direkt betroffen war, gab es in der Folge doch einige Flugausfälle und Verspätungen. Nicht gerade einfacher machte die Situation, dass man in Baltimore sein Gepäck zunächst wieder in Empfang und dann neu aufgeben nehmen muss, bevor der ganze Sicherheitscheck und die Visa-Kontrolle noch ein zweites Mal stattfinden.

Beim Aufgeben meines Gepäcks fragte mich ein Officer, ob ich mit Southwest fliegen würde. Das verwirrte mich etwas, weil ich diese Airline nicht kannte. Meine Antwort „No, I’m actually going north!“ schien dann jedoch auch ihn zu verwirren. Nicht nur Southwest hatte Probleme, sondern auch meine zweite Airline Spirit konnte zunächst wetterbedingt nicht ausreichend Personal für den Flug finden. Aus diesem Grund verzögerte sich das Boarding dann um rund zwei Stunden. Auf der Suche nach einer Steckdose im Wartebereich kam ich das erste Mal mit zwei Amerikanern in etwa meinem Alter ins Gespräch. Einer der beiden hatte sogar selbst letztes Jahr ein Auslandssemester in den Niederlanden gemacht und dann auch Deutschland bereist.

Interessant waren die Waschräume am Flughafen. Nicht nur die Form der Toiletten hatte ich vorher noch nie gesehen – gewöhnungsbedürftig war auch, dass die Trennwände zwischen den Kabinen so niedrig waren, dass ich stehend darüber schauen konnte.

Als es dann schließlich zum Boarding ging, war die Stimmung in diesem rein amerikanischen Flug spürbar anders als in dem langen Flug davor. Die Flugbegleiterinnen wurden vom Kapitän mit Vornamen vorgestellt. Allgemein erinnerte mich die Stimmung der Crew und der anderen Passagiere eher an einen Schulausflug mit dem Reisebus als einen Flug, wie ich ihn kannte.

Im Anflug auf Detroit konnten wir einige sehr beeindruckende Wolkenformationen in der untergehenden Abendsonne sehen. Als wir dann schließlich landeten, goss es jedoch in Strömen und zu allem Überfluss konnten die Flugzeuge (vielleicht wegen des vielen Wassers auf dem Rollfeld?) nicht an die Terminals fahren. So bildete sich allmählich eine Schlange aus mindestens 10 Flugzeugen zwischen den Landebahnen und unserem Terminal und wir warteten erneut rund eine Stunde (diesmal im Flugzeug).

Während dieser Zeit fing plötzlich mein Smartphone an zu vibrieren und ich sah das erste mal einen wetterbedingten WEA (Wireless Emergency Alert). Diese Nachrichten werden vom Netzbetreiber auf Anweisung der Regierung unspezifisch an alle Mobiltelefone innerhalb eines bestimmten Gebiets verbreitet. Ähnlich wie bei SMS benötigt man dafür keine bestimmte App, sondern die Funktionalität ist bereits Bestandteil aller Betriebssysteme – in Deutschland werden sie jedoch praktisch nie verwendet.

Mit rund drei Stunden Verspätung konnte ich dann endlich meinen Koffer entgegennehmen und bestellte mir, mangels öffentlicher Verkehrsmittel, das erste Mal ein Uber-Taxi. Mit meinem Fahrer Siddiq legte ich dann die restlichen 75 km über den Freeway zur Oakland University in Rochester zurück. Für einen Fahrpreis von umgerechnet 40 € schien mir das im Vergleich zu deutschen Taxis sehr preiswert zu sein. Siddiqs Auto war das, was man sich unter einem richtigen amerikanischen Truck vorstellt – lang und breit, hoch und schon von Weitem hörbar. Aber auch fast alle anderen Autos auf dem Freeway hatten dieses Format und gehörten zu Marken, die man in Deutschland praktisch nie auf der Straße sieht (GMC, Dodge, Mercury, Pontiac, …). Siddiq erzählte mir, dass er Fan deutscher Automarken sei, welche jedoch eher Downtown, also in der Innenstadt, anzutreffen seien.

Nach rund 50 Minuten erreichten wir dann gegen 11 Uhr Ortszeit Rochester. Die Landschaft war inzwischen deutlich weniger städtisch geworden. Am Rande einer Straße, die bei uns wohl als Landstraße durchgehen würde, erkannte ich in der Dunkelheit die Ann Nicholson Apartments, die ich bereits auf Fotos gesehen hatte. Hier befindet sich auch das International Village, in dem ich untergekommen bin. Leider regnete es immer noch ziemlich heftig und Siddiq war so schnell wieder verschwunden, wir er gekommen war. Telefonisch konnte ich den Residence Assistant erreichen, der mir meine Schlüssel brachte und den Weg zu meiner neuen WG zeigte.

Fortsetzung folgt

 

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