Wie man bei Facebook Suchbegriffe kapern kann

Suche nach Schimpansen bei FacebookBei Facebook bin ich auf einer Satire-Seite auf einen Screenshot gestoßen, der mich erst zum Lachen und dann zum Nachdenken gebracht hat. Bei der Suche nach dem Wort „Schimpansen“ wird statt der Seite über die Primaten die Seite der NPD vorgeschlagen. Ein schneller Test bestätige das sofort: Schon beim Eintippen wird einem die Seite der rechtsextremen Partei angezeigt. Das warf die Frage auf: Wer hat sich hier einen Spaß erlaubt? Jemand von Facebook? Womöglich Hacker? Vielleicht ein Administrator der NPD-Seite? Oder ein fehlerhafter Suchalgorithmus?

Die Antwort ist einfach: ein beliebiger dritter Facebook-Nutzer!

Damit man bei Facebook Dinge liken kann, die nicht einer bestimmten Organisation zuzuordnen sind (z.B. Orte, Tiere, Tätigkeiten …), erstellt Facebook automatisiert Facebook-Seiten hierzu. Damit diese nicht leer sind, werden sie typischerweise mit den Bildern und dem Wikipedia-Text der entsprechenden Seite gefüllt – die stehen ja unter einer Creative-Commons-Lizenz.

Jedoch sollte nicht jede Wikipedia-Seite auch eine Facebook-Seite sein. Während es eine Wikipedia-Seite über Amnesty International gibt, ist es besser, dass die Facebook-Seite von Anmesty mit den Neuigkeiten der Pressestelle versorgt wird. So können Facebook-Nutzer nicht nur zeigen, dass sie einer Organisation nahe stehen, sondern bleiben auch auf dem Laufenden über deren Aktivitäten.

Facebook-Seite übernehmenDie Übernahme so einer Seite ist ein recht simpler Prozess. Den automatisiert generierten Seiten kann mit einem Klick auf Bearbeiten eine offizielle Facebook-Präsenz zugeordnet werden. Dazu muss man die entsprechende Seite nicht administrieren können.
Die Zuordnung muss zwar noch durch Facebook bestätigt werden – hierbei ist man aber wohl nicht besonders gründlich. Ich stelle mir vor, dass im europäischen Facebook-Support-Center in Dublin ein Ire sitzt, der sich nicht besonders in der deutschen Parteienlandschaft auskennt. Seine Aufgabe ist es täglich Hunderte solcher Anträge durchzuwinken 

Nach der Bestätigung der Verknüpfung durch Facebook wird dann die automatisch generierte Seite gelöscht und und der Suchbegriff mit der (vermeintlich) offiziellen Seite verbunden – teilweise reicht es sogar schon die ersten Buchstaben des alten Begriffs in die Facebook-Suche einzugeben, um die neue Seite vorgeschlagen zu bekommen.

Folgen für Facebook

Es bleibt ein merkwürdiger Nachgeschmack bei diesem Verfahren. Im beschriebenen Fall war es nur lustig. Aber welcher Promi möchte schon feststellen, dass sein Profil ohne seine Kontrolle mit der Facebook-Seite der Hitlerjugend oder der Seite über Sadomasochismus (ja, das sind automatisch generierte Facebook-Seiten!) verknüpft wurde?

Noch problematischer ist es für die Facebook-Nutzer, die ursprünglich den Schimpansen auf Facebook ihr Like gegeben haben: Da die Likes auf die neu verknüpfte Seite übertragen werden, sehen sie sich plötzlich als Unterstützer einer radikalen Partei!

Hier sollte Facebook definitiv nachbessern. Denkbar wäre beispielsweise, dass die entsprechenden Verknüpfungen erst durch einen Administrator der Seite freigeschaltet werden müssen.

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