Google Translate – besser als sein Ruf

Google TranslateWer an „Google Translate“ denkt, hat nicht selten Erinnerungen an stümperhaft übersetzte oder sogar grammatikalisch falsche Sätze im Kopf. Auch meine Einstellung war bis vor Kurzem, dass man das Tool gut nutzen kann, um einzelne Wörter nachzuschlagen (Google macht dann schon seit einigen Jahren mehrere Übersetzungsvorschläge), es aber nicht für die Übersetzung ganzer Sätze oder gar Texte verwendbar ist.

Gut erinnere ich mich daran, wie ich in der 6. Klasse voller Enthusiasmus meine Englisch-Hausaufgaben bei Google eintippte, nur um festzustellen, dass die Qualität so schlecht war (und so gut war mein Englisch damals sicher nicht), dass ich sie schließlich doch ohne technische Hilfe gemacht habe.

Dass die Zeit der „Wort-für-Wort-Übersetzungen“ bei Google vorbei ist, merkte ich kürzlich, als ich vor der Aufgabe stand eine komplette Homepage ins Englische übersetzen. „Mal ausprobieren“, dachte ich mir und kopierte die erste Seite ohne besondere Erwartungen in das Textfeld. Das Ergebnis überraschte mich, denn es lag deutlich über meinen Erwartungen. Nicht nur, dass die Semantik von Umgangssprache und Phrasen passend ins Englische übertragen wurde, die Software schien auch „gelernt“ zu haben Wörter kontextsensitiv auszuwählen und Sätze umzustellen, wenn dies sprachlich besser passte.

Dieser bemerkenswerte Fortschritt in dieser (in technischer Zeitrechnung) doch recht alten Technologie, ist vermutlich vor allem besseren Algorithmen und größeren Datenbeständen zu verdanken. Anders als viele andere Übersetzungsprogramme nutzt die Software nämlich keine einprogrammierten (grammatikalischen) Regeln und Wörterbücher, sondern bereits von Menschen übersetzte Texte, die statistisch ausgewertet werden und aus denen maschinell Muster für Übersetzungen beliebiger Texte generiert werden.

Dass dieser Ansatz nicht nur der algorithmisch „eleganteste“, sondern bei ausreichenden Datenbeständen auch der qualitativ beste Weg ist, zeigten für mich auch Vergleiche mit anderen (zum Teil kostenpflichtigen) Online-Übersetzern, die alle spürbar schlechtere Ergebnisse lieferten.

Perfekt waren die Übersetzungen für meine Internetseite natürlich nicht. Viele Sätze musste ich noch etwas „anpassen“ damit es wirklich flüssig klang. Dennoch habe ich während dieser Arbeit immer wieder festgestellt, wie frei einzelne Sätze übersetzt waren, ohne dabei den Sinn zu ändern. Auch als jemand, der gut Englisch spricht, lässt man sich bei „stumpfen Übersetzungen“ manchmal zu sehr von den Übersetzungen einzelner Wörter leiten, obwohl es einen eleganteren Weg gibt, das Gemeinte auszudrücken. Hier kann Google beeindrucken und bietet auch für geübte Sprecher nicht nur Zeitvorteile beim Übersetzen, sondern kann auch helfen, qualitativ bessere Übersetzungen zu erzielen.

Dass die (bisher weitgehend unbeachtete) Entwicklung von Google Translate weiter vorangetrieben wird, zeigen auch die neuesten Ansätze Googles die „Crowd“ stärker mit in die Übersetzungen einzubinden. Google hat hierfür ein Portal entwickelt, auf dem Freiwillige Übersetzungen beisteuern, bewerten, vergleichen und verbessern können. Wir können wirklich gespannt sein, inwiefern sich die Qualität von Google Translate in den kommenden 5 Jahren weiter verbessern konnte.

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