Apps programmieren mit Kindern

Lego MindstormsInformatik ab der Grundschule? Java als 2. Fremdsprache? Die Forderungen von Vertretern aus der IT-Branche, sowie von Politikern haben in den letzten Tagen hohe Wellen geschlagen. Doch auch in der IT-Welt selbst ist es nicht unumstritten, welchen Stellenwert Informatik zukünftig in der Gesellschaft haben soll, wie ein Blick ins Heise-Forum zeigt.

Ich selbst habe das Gefühl, dass das Interesse an digitaler Technik (was nicht gleichzusetzen ist mit Informatik) in allen Altersgruppen massiv steigt. Als 15-jähriger habe ich damit begonnen mein Taschengeld aufzubessern, indem ich Computer-Kurse für Senioren gegeben habe. „Meine Omis“ waren allesamt begeistert von ihren Laptops und haben erstaunlich schnell die Ideen hinter Fenstern und Dateien verstanden. Manchmal Versuche ich mir vorzustellen, wie die Kurse abgelaufen wären, wenn wir damals schon Tablets gehabt hätten…

Um früh das Interesse von Kindern an Informatik zu wecken, gibt es verschiedene Konzepte, die sich bereits für das Grundschulalter eignen. Bemerkenswert finde ich beispielsweise Lego Mindstorms: Lego schafft es, Programmierung „greifbar“ zu machen und mit einfachen Programmierkonzepten echte Lego-Figuren zum Leben zu erwecken. Leider verbinde ich mit Mindstorms aber auch die (bis vor einigen Jahren) schlechte PC-Software und nicht zuletzt dürften die hohen Kosten für die Lego-Sets (350€ für ein „Starter-Paket“) viele Schulen davon abhalten, etwa in AGs damit zu arbeiten.

ScratchVor einigen Jahren habe ich dann Scratch kennengelernt. Das nichtkommerzielle Projekt des MIT ermöglichte es Kindern zunächst lokal, inzwischen aber auch online, kleine (und große) Programme zu schreiben. Das Programmieren funktioniert dabei mit Funktions-Blöcken, die per Drag&Drop verschoben werden können. Die Besonderheit ist, dass sie vom Design nur so zusammenpassen, wie es die Syntax einer Programmiersprache zulassen würde. Die Ergebnisse lassen sich online per Link verschicken und in Webseiten einbinden.

Inzwischen ist die Lebenswelt vieler Kinder aber eine andere: Die Software, mit der sie bewusst am häufigsten in Kontakt kommen, sind Apps. Die meisten Kinder besitzen ab der weiterführenden Schule ein eigenes Smartphone – Computer sind eben etwas für Erwachsene…

Mit dem MIT App Inventor können Kinder leicht Apps für Android-Geräte entwickeln

Mit dem MIT App Inventor können Kinder leicht Apps für Android-Geräte entwickeln

Auch hierfür betreibt das MIT jetzt ein Projekt, das dieser Veränderung gerecht wird: den App Inventor. Apps werden mit der gleichen Intuitiven Drag&Drop-Programmiersprache entwickelt wie bei Scratch und können als „echte“ App nicht nur aufs eigene Smartphone geladen, sondern sogar über den Play Store vertrieben werden.

Im Ferienpass der Jugendpflege Hemmingen hatte ich als Jugendleiter in diesem Sommer die Möglichkeit dieses neue Konzept mit Kindern im Alter von 9 bis 12 Jahren auszuprobieren. Die Jugendpflege besitzt zwar zwei eigene Android-Tablets, diese haben wir jedoch überraschenderweise nicht gebraucht, da die TeilnehmerInnen (für 2er – 3er-Gruppen) selbst ausreichend viele Smartphones dabei hatten. Hilfe hatte ich bei der Nachmittagsaktion von zwei weiteren Jugendgruppenleitern.

Nachdem wir gemeinsam zwei Beispiel-Apps programmiert hatten, konnten die TeilnehmerInnen selbstständig daran weiterprogrammieren oder mit der Unterstützung von uns Betreuern auch eigene Ideen umsetzen. Bei der anschließenden App-Vorstellung waren nicht nur die Kinder, sondern auch wir Betreuern beeindruckt, was die einzelnen Gruppen innerhalb von zwei Stunden auf die Beine gestellt hatten. Wenn ich die Pläne einer Gruppe richtig verstanden habe, wurde an diesem Nachmittag vielleicht sogar der Grundstein für ein IT-Start-up gelegt… 😉

Fazit

Der MIT App Inventor ist das derzeit geeignetste Tool zum Einstieg in die Programmierung mit Gruppen von Kindern – in AGs, für Workshops und im Nachmittagsbereich. Gegenüber Scratch hat es den Vorteil, dass es näher an der Lebenswelt der Kinder ist. Gegenüber Lego Mindstorms hat es den Vorteil, dass keine teure Hardware gekauft werden muss.

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1 Kommentar

  1. Hannelore S. Antworten

    Hi Adrian, ich finde diesen Blogbeitrag klasse. Endlich erklärt jemand das Programmieren einfach und verständlich. Ich tu mir da schon etwas schwer. In den letzten Monaten habe ich viel probiert; auch Tutorials, Artikel und auch Bücher lesen. Habe gleich mal mit Javascript probiert und habe gemerkt, dass ich nur Bahnhof verstehe. Dann bin ich letzte Woche auf einen Beitrag gestolpert, der Bücher für die Programmiersprache Scratch beleuchtet hat: https://kinderprogrammieren.de/buch/5-buecher-fuer-kinder-scratch-programmierung/ Dadurch habe ich mir verschiedene Bücher angeschaut und ich muss sagen, Scratch ist auch für Erwachsene eine gute Möglichkeit, um in die Programmierung reinzuschnuppern. Und das kombiniert mit diesem Artikel von Dir, Adrian – einfach super. Ich persönlich finde es super, dass technik-affine Leute, wie Du, uns nicht Technikern unterstützen die Materie zu verstehen. Danke dafür

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